Holländern: Umgraben gegen Bodenverdichtungen

Bodenverdichtungen sind ein häufiges Problem in vielen Gärten und landwirtschaftlichen Flächen. Sie entstehen durch schwere Maschinen, häufiges Betreten oder ungünstige Wetterbedingungen und führen dazu, dass Wasser und Nährstoffe schlechter in den Boden eindringen können. Pflanzen wachsen schlechter, Wurzeln werden geschädigt, und das Bodenleben leidet.
Eine bewährte Methode, um verdichteten Boden wieder aufzulockern und fruchtbar zu machen, ist das sogenannte „Holländern“. In diesem Artikel erfährst du, was das Holländern ist, wie es funktioniert, wann es sinnvoll ist und worauf du achten solltest, um deinen Gartenboden nachhaltig zu verbessern.
Was ist „Holländern“?
Das Wort „Holländern“ bezeichnet eine spezielle Art des Umgrabens, die ursprünglich aus den Niederlanden stammt. Im Gegensatz zum herkömmlichen Umgraben, bei dem der Boden komplett gewendet wird, lockert man beim Holländern die Erde nur tiefgründig, ohne die Bodenschichten zu vermischen. Ziel ist es, Verdichtungen zu lösen, die Bodenstruktur zu erhalten und das Bodenleben zu schonen.
Beim klassischen Umgraben mit dem Spaten wird der Oberboden nach unten gebracht und umgekehrt. Das kann das empfindliche Gleichgewicht im Boden stören, Mikroorganismen und Regenwürmer leiden darunter. Das Holländern hingegen arbeitet mit einer Grabgabel oder einem Sauzahn. Dabei wird die Erde tief gelockert, aber nicht gewendet. So bleibt die natürliche Schichtung erhalten, und der Boden kann sich besser regenerieren.
Warum entstehen Bodenverdichtungen?
Bodenverdichtungen entstehen auf verschiedene Arten:
- Befahren mit schweren Maschinen: Besonders im Gemüse- oder Ackerbau verdichten Traktoren und andere Maschinen den Boden.
- Häufiges Betreten: Gartenwege, Spielbereiche oder Beete werden durch regelmäßigen Fußverkehr verdichtet.
- Starkregen und Trockenheit: Nach starken Regenfällen sackt der Boden zusammen, bei Trockenheit schrumpft er und wird hart.
- Falsche Bodenbearbeitung: Zu tiefes oder zu häufiges Umgraben kann die Bodenstruktur schädigen.
Die Folge: Der Boden wird hart, Wasser staut sich an der Oberfläche, Nährstoffe gelangen nicht mehr zu den Wurzeln, und die Pflanzen wachsen schlecht. Besonders empfindlich reagieren Gemüse, Stauden und junge Gehölze.

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Wie funktioniert das Umgraben bzw. Holländern?
Beim Holländern wird der Boden mit einer Grabgabel, einem Sauzahn oder speziellen Bodenlockerern bearbeitet:
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Werkzeugwahl: Ideal ist eine stabile Grabgabel oder ein Sauzahn. Letzterer lockert den Boden besonders tief und schonend.
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Vorgehensweise:
- Stecke die Gabel oder den Sauzahn so tief wie möglich in den Boden (mindestens 20–30 cm).
- Heble das Werkzeug leicht nach hinten, sodass sich der Boden anhebt und auflockert.
- Wichtig: Der Boden wird nicht gewendet! Die Erde bleibt an ihrem Platz, nur die Verdichtungen werden gelöst.
- Arbeite dich reihenweise durch das Beet, bis die gesamte Fläche gelockert ist.
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Zeitpunkt: Am besten holländerst du im Herbst oder zeitigen Frühjahr, wenn der Boden nicht zu nass oder gefroren ist.
Vorteile im Überblick
- Schonung des Bodenlebens: Regenwürmer, Mikroorganismen und Pilze bleiben in ihrer Bodenschicht und können weiterarbeiten.
- Erhalt der Bodenschichtung: Nährstoffe und Humus bleiben dort, wo sie gebraucht werden.
- Bessere Wasser- und Luftdurchlässigkeit: Der gelockerte Boden nimmt Wasser und Luft besser auf, Staunässe wird vermieden.
- Förderung des Wurzelwachstums: Pflanzenwurzeln können tiefer wachsen und sind widerstandsfähiger gegen Trockenperioden.
- Nachhaltigkeit: Im Gegensatz zum Umgraben wird das Bodenökosystem nicht gestört, der Boden bleibt langfristig fruchtbar.
Grenzen und Herausforderungen
Auch das Holländern hat seine Grenzen:
- Sehr schwere Böden: Bei extrem verdichteten, lehmigen Böden kann es notwendig sein, den Vorgang mehrmals zu wiederholen oder punktuell doch zu graben.
- Steinige Böden: Steine können das Arbeiten erschweren und müssen ggf. entfernt werden.
- Große Flächen: Auf großen Flächen ist das Holländern sehr arbeitsintensiv. Hier kann der Einsatz von Maschinen mit speziellen Lockerungsgeräten sinnvoll sein.

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Tipps zur Vorbeugung von Bodenverdichtungen
- Wege anlegen: Lege feste Wege im Garten an, um das Betreten der Beete zu vermeiden.
- Mulchen: Eine Mulchschicht schützt den Boden vor Verdichtung durch Regen und hält ihn feucht.
- Gründüngung: Tiefwurzelnde Pflanzen wie Lupinen oder Ölrettich lockern den Boden auf natürliche Weise.
- Keine schweren Maschinen: Verzichte im Garten möglichst auf schwere Geräte und bearbeite den Boden nur bei trockenem Wetter.
- Regelmäßiges Holländern: Einmal jährlich reicht meist aus, um den Boden dauerhaft locker zu halten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Holländern im eigenen Garten
- Vorbereitung: Entferne grobe Pflanzenreste und lockere die Oberfläche leicht mit einer Harke.
- Boden prüfen: Der Boden sollte leicht feucht, aber nicht nass oder gefroren sein.
- Lockerung: Steche die Grabgabel oder den Sauzahn tief in den Boden, heble ihn vorsichtig an und lockere die Erde, ohne sie zu wenden.
- Reihenweise vorgehen: Bearbeite das Beet systematisch, bis die gesamte Fläche gelockert ist.
- Nachsorge: Lasse den Boden ruhen oder mulche ihn, um die Feuchtigkeit zu halten und das Bodenleben zu fördern.
Fazit
Das Holländern ist eine schonende und effektive Methode, um Bodenverdichtungen zu lösen und den Gartenboden dauerhaft fruchtbar zu halten. Es schützt das Bodenleben, fördert die natürliche Bodenschichtung und sorgt für gesunde, kräftige Pflanzen. Wer regelmäßig holländert, beugt Verdichtungen vor und spart sich auf Dauer viel Arbeit und Ärger mit schlecht wachsenden Pflanzen. Probier es aus – dein Garten wird es dir danken!
