Sickerschacht für die Tiefgarage: Planung, Bau und Wartung

Sickerschacht
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Die Entwässerung spielt bei Tiefgaragen eine entscheidende Rolle. Regen, Schmelzwasser, Reinigungswasser und sogar Grundwasser können sich in einer Tiefgarage ansammeln. Ohne ein zuverlässiges Entwässerungssystem drohen nicht nur Pfützen und Schimmel, sondern auch gravierende Bauschäden durch Feuchtigkeit.

Ein Sickerschacht ist dabei eine besonders effiziente und nachhaltige Lösung, um das anfallende Wasser sicher abzuleiten. In diesem Artikel erfährst du alles Wichtige rund um das Thema – von der Funktionsweise über die Planung bis hin zu Bau, Wartung und gesetzlichen Vorgaben.

Was ist ein Sickerschacht?

Ein Sickerschacht ist eine unterirdische Vorrichtung, die dazu dient, überschüssiges Oberflächenwasser gezielt in den Boden zu leiten. Er besteht in der Regel aus einem Schachtkörper aus Beton, Kunststoff oder anderen beständigen Materialien. Das Wasser wird über Drainagen, Rinnen oder Ablaufrohre in den Schacht geleitet. Dort sammelt es sich und kann durch die seitlichen oder unteren Öffnungen langsam ins Erdreich versickern. Ein Sickerschacht ist damit eine ökologische Alternative zur direkten Einleitung von Regenwasser in die Kanalisation.

Warum ist ein Sickerschacht in der Tiefgarage wichtig?

In einer Tiefgarage sammelt sich Wasser aus verschiedenen Quellen:

  • Regenwasser, das über die Zufahrt oder offene Lichtschächte eindringt
  • Schmelzwasser von Fahrzeugen im Winter
  • Reinigungswasser nach dem Säubern der Garage
  • Kondenswasser und Feuchtigkeit aus der Umgebung

Wird dieses Wasser nicht zuverlässig abgeführt, kann es zu folgenden Problemen kommen:

  • Rutschgefahr durch stehendes Wasser
  • Korrosionsschäden an der Bausubstanz und an Fahrzeugen
  • Schimmelbildung und muffiger Geruch
  • Frostschäden im Winter
  • Beeinträchtigung der Statik bei dauerhaftem Feuchteeintrag

Ein Sickerschacht sorgt dafür, dass das Wasser kontrolliert und umweltfreundlich versickert – direkt auf dem eigenen Grundstück und ohne die Kanalisation unnötig zu belasten.

Planungsphase: Was gibt es zu beachten?

Die Planung eines Sickerschachts bedarf einiger Überlegungen und sollte idealerweise von Fachleuten begleitet werden. Folgende Punkte sind dabei besonders wichtig:

1. Bodenbeschaffenheit prüfen

Nicht jeder Boden eignet sich gleichermaßen für einen Sickerschacht. Besonders gut geeignet sind sandige, kiesige und durchlässige Böden. Bei lehmigen, tonigen oder stark verdichteten Böden kann das Wasser nicht ausreichend versickern. Hier ist eine Bodenanalyse ratsam.

2. Bemessung des Sickerschachts

Die Größe und das Volumen des Sickerschachts richten sich nach der zu erwartenden Wassermenge. Einflussfaktoren sind:

  • Größe der zu entwässernden Fläche (z. B. Fläche der Tiefgarage und Zufahrt)
  • durchschnittliche Niederschlagsmengen vor Ort
  • Versickerungsfähigkeit des Bodens

Ein zu kleiner Sickerschacht kann überlaufen, ein zu großer ist unnötig teuer. Es gibt Berechnungshilfen und Tabellen, die bei der Dimensionierung helfen. Bei größeren Anlagen ist ein Bauingenieur oder ein Fachplaner für Entwässerungssysteme hinzuzuziehen.

3. Standortwahl

Der Sickerschacht sollte möglichst tief und entfernt von Gebäudefundamenten eingebaut werden, um Feuchteschäden am Bauwerk zu vermeiden. Der Mindestabstand zu Gebäuden, Nachbargrundstücken und Bäumen ist in den jeweiligen Landesbauordnungen geregelt.

4. Genehmigungen und Vorschriften

Je nach Region und Bundesland kann für den Bau eines Sickerschachts eine Genehmigung erforderlich sein. Besonders wichtig ist, dass kein mit Schadstoffen belastetes Wasser (z. B. Öl, Benzin) in den Sickerschacht gelangt. Deshalb ist meist ein Abscheider (z. B. Ölabscheider) vor dem Sickerschacht vorgeschrieben.

wasser in sickerschacht einfüllen

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Aufbau und Funktionsweise

Ein Sickerschacht besteht aus mehreren Komponenten:

  • Schachtkörper: Zylinderförmiges Bauteil aus Beton, Kunststoff oder Stein, mit seitlichen und/oder unteren Öffnungen zum Versickern.
  • Zulauf: Verbindung von der Tiefgarage (z. B. über Bodenabläufe, Rinnen oder Rohre) zum Sickerschacht.
  • Filter-/Sickerpackung: Kies, Splitt oder spezielle Filtermatten, die das Wasser reinigen und das Versickern erleichtern.
  • Abdeckung: Begehbare oder befahrbare Abdeckung, meist aus Gusseisen oder Stahlbeton.
  • Wartungsöffnung: Für die Reinigung und Kontrolle des Schachtes.

Das anfallende Wasser fließt durch den Zulauf in den Schacht, wird dort vorgefiltert und versickert anschließend langsam ins Erdreich.

Bau eines Sickerschachts für die Tiefgarage: Schritt-für-Schritt Anleitung

  1. Bodenanalyse durchführen
    Prüfe die Versickerungsfähigkeit des Bodens und bestimme die optimale Lage.
  2. Genehmigung einholen
    Kläre mit der zuständigen Behörde, ob eine Baugenehmigung oder wasserrechtliche Erlaubnis notwendig ist.
  3. Aushub und Unterbau
    Hebe die Grube in der erforderlichen Größe aus. Der Untergrund sollte eben und tragfähig sein.
  4. Einbau des Schachtkörpers
    Setze den Schachtkörper ein, fülle den Zwischenraum mit Kies oder Splitt und achte auf eine stabile Positionierung.
  5. Anschluss der Zulaufleitung
    Verlege das Rohr von der Tiefgarage zum Sickerschacht, achte auf ausreichendes Gefälle.
  6. Einbau der Filtermaterialien
    Fülle den Schacht mit Filterkies und ggf. Filtermatten.
  7. Abdeckung montieren
    Bringe eine passende, belastbare Abdeckung an, die ggf. auch von Fahrzeugen befahren werden kann.
  8. Funktionsprüfung
    Teste das System mit Wasser, um sicherzustellen, dass alles dicht und funktionsfähig ist.

Wartung und Pflege

Ein Sickerschacht ist grundsätzlich wartungsarm, sollte aber regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden:

  • Mindestens einmal jährlich: Kontrolle auf Verschlammung, Verstopfung und Schäden.
  • Filtermaterialien reinigen oder austauschen, falls nötig.
  • Zulauf und Abdeckung prüfen: Sind die Rohre frei? Ist die Abdeckung intakt?
  • Bei starker Verschmutzung: Professionelle Reinigung durch einen Fachbetrieb.

Eine regelmäßige Wartung sorgt für eine lange Lebensdauer und verhindert Funktionsstörungen.

Gesetzliche Vorgaben und Umweltaspekte

  • Nur unbelastetes Wasser darf in einen Sickerschacht gelangen. Öl, Benzin und andere Schadstoffe müssen durch geeignete Abscheider entfernt werden.
  • Abstände zu Gebäuden und Grundstücksgrenzen sind einzuhalten, um Schäden zu vermeiden.
  • Wasserrechtliche Vorgaben: In manchen Regionen ist eine Einleitgenehmigung oder ein Nachweis über die Versickerungsfähigkeit des Bodens erforderlich.
  • Nachhaltigkeit: Sickerschächte tragen zur Grundwasserneubildung bei und entlasten die Kanalisation.

Alternativen zum Sickerschacht

Nicht immer ist ein Sickerschacht die beste Lösung. Alternativen sind:

  • Rigolenversickerung: Längliche, mit Kies gefüllte Gräben zur Versickerung größerer Wassermengen.
  • Muldenversickerung: Flache, begrünte Senken, in denen Wasser langsam versickert.
  • Direkter Anschluss an die Kanalisation: Meist weniger nachhaltig und teurer, da Gebühren für Regenwasser anfallen.

Fazit

Ein Sickerschacht ist eine effiziente, nachhaltige und vergleichsweise kostengünstige Methode, um das anfallende Wasser aus einer Tiefgarage sicher und umweltfreundlich zu entsorgen. Die richtige Planung, fachgerechte Ausführung und regelmäßige Wartung sind dabei entscheidend für eine lange Lebensdauer und zuverlässige Funktion. Wer alle gesetzlichen Vorgaben beachtet und auf Qualität setzt, schützt nicht nur seine Tiefgarage vor Feuchtigkeitsschäden, sondern leistet auch einen Beitrag zum Umweltschutz.