Nützlinge im Garten fördern: Wer wen frisst und wie Sie das gezielt nutzen

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Der erste Blattlausbefall der Saison endet in vielen Gärten gleich: Die Sprühflasche kommt aus dem Schuppen, die Triebspitzen werden eingenebelt, und drei Tage später ist Ruhe. Vier Wochen später sind die Blattläuse zurück, häufig zahlreicher als vorher.

Der Grund ist bekannt, wird aber selten mitgedacht. Breit wirkende Mittel treffen nicht nur den Schädling, sondern auch dessen Fressfeinde. Und die erholen sich langsamer. Blattläuse vermehren sich in wenigen Tagen wieder auf ihr altes Niveau, während eine Marienkäferpopulation dafür eine ganze Saison braucht. Das Ergebnis ist ein Garten, der dauerhaft auf Nachspritzen angewiesen ist. Der Gegenentwurf ist unspektakulär, aber wirksam: den natürlichen Gegenspielern die Arbeit überlassen und ihnen dafür passende Bedingungen schaffen.

Wer frisst eigentlich wen?

Die meisten Gartenbesitzer kennen den Marienkäfer. Die übrigen Nützlinge sind unbekannter, obwohl einige davon deutlich mehr leisten.

Nützling Bevorzugte Beute
Marienkäfer und seine Larve Blattläuse, Schildläuse, Spinnmilben
Florfliegenlarve Blattläuse, Thripse, Spinnmilben
Schwebfliegenlarve Blattläuse
Schlupfwespen Motteneier, Blattläuse, Weiße Fliege
Raubmilben Spinnmilben, Thripse
Laufkäfer Schnecken, Schneckeneier, Bodenlarven
Ohrwurm Blattläuse, Milben, Larven
Igel und Spitzmaus Schnecken, Käferlarven, Insekten
Meisen und andere Singvögel Raupen, Blattläuse, Larven
Nematoden (Fadenwürmer) Bodenlebende Larven wie Engerlinge und Dickmaulrüsslerlarven

Besonders unterschätzt sind die Larvenstadien. Eine einzelne Marienkäferlarve vertilgt bis zu ihrer Verpuppung mehrere hundert Blattläuse. Der ausgewachsene Käfer, den die meisten Menschen für den eigentlichen Nützling halten, frisst deutlich weniger. Ähnlich beim Ohrwurm, der zu Unrecht in schlechtem Ruf steht. Er ist ein nachtaktiver Räuber, der sich tagsüber in engen Spalten versteckt und nachts Blattläuse von den Trieben sammelt.

Lebensraum schaffen: was tatsächlich wirkt

Nützlinge siedeln sich nicht an, weil man es sich wünscht. Sie brauchen Nahrung, Versteck und Winterquartier, und zwar ganzjährig.

  • Blühflächen mit Doldenblütlern. Erwachsene Schwebfliegen und Florfliegen fressen keine Blattläuse, sondern Nektar und Pollen. Ohne Blüten legen sie keine Eier, und ohne Eier gibt es keine räuberischen Larven. Dill, Fenchel, Wilde Möhre, Schafgarbe und Kümmel sind hier besonders wirksam, weil ihre flachen Blüten auch für kurzrüsselige Insekten erreichbar sind.
  • Strukturen statt Sauberkeit. Ein Totholzhaufen in einer Ecke, ein Steinhaufen an einer sonnigen Stelle, eine Trockenmauer, liegen gelassenes Laub unter Sträuchern: Das sind Verstecke und Überwinterungsplätze für Laufkäfer, Igel und Spinnen. Ein perfekt aufgeräumter Garten ist für Nützlinge ein lebensfeindlicher Ort.
  • Der Ohrwurmtopf. Ein umgedrehter Tontopf, locker mit Holzwolle oder Stroh gefüllt und in die Krone eines befallenen Obstbaums gehängt, ist eines der einfachsten und wirksamsten Hilfsmittel überhaupt. Wichtig ist, dass der Topf Kontakt zum Ast oder Stamm hat, damit die Tiere hineinkrabbeln können.
  • Wasser. Eine flache Schale mit Steinen als Landeplatz hilft Insekten und Vögeln gerade in trockenen Sommerwochen.
  • Durchgänge für Igel. Eine Öffnung von etwa 13 mal 13 Zentimetern im Zaun genügt, damit Igel zwischen den Gärten wandern können. Ein einzelner Garten ist für ihren Aktionsradius zu klein.
  • Mähroboter nur tagsüber. Nachts fahrende Geräte verursachen regelmäßig schwere Verletzungen bei Igeln. Eine Zeitschaltung ist hier die einfachste Schutzmaßnahme.

Wenn das Gleichgewicht nicht ausreicht

Manche Schädlinge lassen sich mit Lebensraumgestaltung allein nicht in den Griff bekommen. Bodenlebende Larven sind das typische Beispiel: Sie sitzen unter der Grasnarbe, wo Vögel und Laufkäfer nicht hinkommen, und der Schaden wird oft erst sichtbar, wenn die Wurzeln bereits abgefressen sind.

Für solche Fälle gibt es die Möglichkeit, Nützlinge gezielt auszubringen. Nematoden, Schlupfwespen und Raubmilben werden gezüchtet und im Handel angeboten, um punktuell und ohne Chemie Schädlinge bekämpfen zu können. Der Unterschied zu einem Spritzmittel liegt in der Selektivität: Der eingesetzte Nützling befällt seine spezifische Beute und lässt Regenwürmer, Bienen und die übrige Bodenfauna unberührt.

Das Beispiel Nematoden: Timing entscheidet

Nematoden gegen Engerlinge und andere Bodenlarven sind wirksam, aber sie verzeihen Anwendungsfehler nicht. Fünf Punkte entscheiden über den Erfolg:

  1. Bodentemperatur. Je nach Art brauchen die Fadenwürmer eine bestimmte Mindesttemperatur im Boden, häufig um die 12 Grad. Bei kälterem Boden bleiben sie inaktiv. Die Lufttemperatur ist dabei nicht aussagekräftig, ein Bodenthermometer schon.
  2. Abends ausbringen. Nematoden sind extrem UV-empfindlich. Wer sie mittags in die Sonne gießt, verliert einen Großteil, bevor sie den Boden erreichen.
  3. Feuchtigkeit halten. Der Boden muss vor der Ausbringung feucht sein und danach etwa zwei Wochen feucht bleiben. Auf einem austrocknenden Rasen sterben die Nematoden ab.
  4. Das richtige Zeitfenster treffen. Die Larven sind nur in bestimmten Entwicklungsstadien empfindlich. Zu früh oder zu spät ausgebracht, verpufft die Behandlung.
  5. Die richtige Art wählen. Gegen Engerlinge, Dickmaulrüssler, Trauermücken und Wiesenschnakenlarven kommen jeweils unterschiedliche Nematodenarten zum Einsatz.

Eine ehrliche Einschränkung gehört dazu: Nicht jeder Engerling lässt sich gleich gut behandeln. Larven des Gartenlaubkäfers und des Junikäfers sprechen gut auf Nematoden an, Maikäferlarven dagegen gelten als deutlich schwieriger. Wer gelbe Stellen im Rasen hat, sollte deshalb zuerst bestimmen, um welche Larve es sich handelt, bevor er bestellt.

Typische Fehler

  • Zu früh eingreifen. Ein paar Blattläuse an einer Triebspitze sind kein Befall, sondern die Nahrungsgrundlage für die Nützlinge, die Sie im Sommer brauchen. Wer beim ersten Anblick spritzt, entzieht ihnen die Existenzgrundlage.
  • Nützlinge falsch lagern. Lebende Organismen sind verderbliche Ware. Sie gehören bis zur Anwendung kühl gelagert und sollten zeitnah ausgebracht werden.
  • Erwarten, dass es sofort wirkt. Biologische Verfahren brauchen Tage bis Wochen. Wer nach 48 Stunden keine Wirkung sieht und dann doch zur Chemie greift, hat beides bezahlt und nichts erreicht.
  • Nur den Schädling betrachten. Ein wiederkehrendes Problem hat meist eine Ursache im Standort, in der Pflanzenwahl oder in der Düngung. Stickstoffüberdüngte Pflanzen mit weichem Gewebe sind für Blattläuse deutlich attraktiver als sparsam gedüngte.

Fazit

Ein Garten ohne Schädlinge ist kein Ziel, sondern ein Warnsignal. Wo keine Beutetiere leben, leben auch keine Nützlinge, und der nächste Befall trifft auf einen völlig ungeschützten Bestand. Sinnvoller ist es, den Bestand an natürlichen Gegenspielern aufzubauen und ihn dort gezielt zu ergänzen, wo er nicht hinkommt. Das dauert ein bis zwei Saisons länger als eine Spritzung, hält dafür aber dauerhaft, und der Aufwand sinkt von Jahr zu Jahr statt zu steigen.