Federgras schneiden: Anleitung und Tipps
Unter dem Namen Federgras werden vor allem Arten der Gattung Stipa (z. B. Stipa tenuissima, Stipa gigantea) kultiviert. Sie zeichnen sich durch feine, weiche Halme und elegante Blütenstände aus, die bis in den Winter Struktur geben.
Im Gegensatz zu vielen anderen Ziergräsern ist Federgras meist immergrün bis halbwintergrün. Das hat Konsequenzen für den Schnitt: Ein radikaler Rückschnitt „auf null“ ist selten sinnvoll und kann die Pflanze schwächen. Ziel ist vielmehr, Verblühtes und Abgestorbenes zu entfernen und die Horste zu verjüngen, ohne frisches Grün zu verletzen.
Der beste Zeitpunkt für den Schnitt: Spätwinter bis sehr frühes Frühjahr
Geschnitten wird, wenn der Hauptfrost vorbei ist, aber der Neuaustrieb noch nicht richtig begonnen hat. Ideal ist je nach Region der Zeitraum von Ende Februar bis März. Zu diesem Zeitpunkt haben die Halme ihre Schutzfunktion im Winter erfüllt, bleiben aber so standfest, dass sie sich leicht bündeln oder auskämmen lassen. Ein Schnitt im Herbst nimmt der Pflanze Winterschutz und ästhetischen Wert; ein zu später Schnitt im Frühjahr beschädigt die jungen, weichen Triebe.
Schnittziele: Aufräumen statt radikal kürzen
Beim Federgras geht es weniger um das „Kappen“ des gesamten Horstes als um ein sauberes Ausputzen:
- Vertrocknete Blütenstände und Halme entfernen, damit Licht und Luft in den Horst gelangen.
- Verfilzte, braune Partien auskämmen, statt sie tief abzuschneiden.
- Den Wuchs behutsam verjüngen, ohne die grünen Spitzen zu verletzen.
Nur bei stark vergreisten oder verfilzten Horsten kann ein moderater Rückschnitt sinnvoll sein. Auch dann gilt: nicht zu tief gehen.

Technik nach Art: Fein differenzieren
Feines Federgras (Stipa tenuissima) ist besonders schnittempfindlich. Hier genügt in der Regel ein gründliches Auskämmen mit der Hand (Handschuhe tragen) oder mit einem grobzinkigen Rechen. Lose, braune Halme lassen sich herausziehen, frisches Grün bleibt stehen. Verblühte Halme können knapp über dem Blattansatz abgeschnitten werden. Ein radikaler Rückschnitt bis auf wenige Zentimeter schwächt S. tenuissima und führt häufig zu lückigem Austrieb.
Riesiges Federgras (Stipa gigantea) bleibt über den Winter oft teilweise grün. Entfernt werden vor allem die langen, trockenen Blütenhalme und abgestorbene Blätter. Ein tiefer Rückschnitt ist hier ebenfalls nicht nötig; gesundes, grünes Laub bleibt stehen. Der optische Effekt entsteht vor allem über die neuen Blütenhalme im Frühsommer.
Federgras schneiden: Schritt-für-Schritt Anleitung
Zuerst den Horst mit beiden Händen leicht anheben und auflockern. Lockere, braune Halme werden mit der Hand nach oben herausgezogen („auskämmen“). Nun die verbliebenen, klar trockenen Halme bündig oberhalb des grünen Bereichs abschneiden. Bei hohen Arten die alten Blütenstände an der Basis kappen. Zum Schluss den Horst einmal ausschütteln, damit eventuelle Schnittreste herausfallen. Wer mag, kann sehr lange Horste zuvor locker mit einer Schnur zusammenbinden, das erleichtert sauberere Schnitte und verringert Schnittabfälle im Beet.
Ältere Horste können innen verkahlen oder auseinanderrutschen. Dann ist eine Teilung sinnvoll – am besten im frühen Frühjahr, wenn die Bodenfeuchte hoch ist. Den Horst ausgraben, mit einem scharfen Spaten oder Messer in zwei bis drei vitale Stücke teilen und sofort neu pflanzen. Zu dichtes Wieder-Einsetzen vermeiden und den Boden nur moderat verbessern; Federgras liebt durchlässige, eher magere Substrate. Nach dem Teilen gut angießen, Staunässe aber vermeiden.

Wie tief schneiden? Orientierung statt Zentimeterregel
Starre Zentimeterangaben führen beim Federgras oft in die Irre, weil der Grünanteil je nach Winter stark schwankt. Besser ist eine optische Orientierung: Grüne, lebendige Blätter bleiben stehen; geschnitten wird nur trockenes, strohiges Material. Muss ein verfilzter Horst dennoch zurückgesetzt werden, sollte ein Rest von mindestens einem Drittel der sichtbaren Blattlänge erhalten bleiben. Ein komplettes „runterschneiden“ bis knapp über den Boden ist nur bei massivem Schadbild (z. B. nach Frostbrüchen) eine Notlösung.
Pflege des Federgras nach dem Schnitt: Weniger ist mehr
Nach dem Ausputzen braucht Federgras keine üppige Düngung. Zu viel Stickstoff fördert weiche, lagernde Halme und mindert die Standfestigkeit. Eine dünne Schicht aus reifem Kompost oder ein sparsames, kaliumbetontes Düngergranulat reicht auf mageren Standorten völlig aus. Wichtiger ist eine gute Drainage: Nasse Füße sind der häufigste Grund für Ausfälle, insbesondere im Winter. Eine dünne, mineralische Mulchschicht (z. B. Splitt) hält den Horst sauber und verbessert die Standfestigkeit.

Häufige Fehler – und wie sie sich vermeiden lassen
Ein häufiger Irrtum ist der herbstartige Komplettschnitt. Federgras zählt überwiegend zu den immergrünen Ziergräsern; ein radikaler Rückschnitt nimmt der Pflanze Kraft und führt zu lückigem Austrieb. Ebenso problematisch ist ein sehr später Schnitt, wenn die neuen Triebe bereits weich sind: Jeder Schnitt treibt dann Wunden in frisches Gewebe. Schließlich sollte nicht bei Regen gearbeitet werden – feuchtes, zusammengeklebtes Laub lässt sich schlecht auskämmen und trocknet danach langsamer ab.
Fazit: Federgras sanft pflegen, statt hart schneiden
Federgras dankt einen behutsamen, zeitlich gut gewählten Pflegeschnitt mit dauerhaft dichtem Wuchs und eleganter Anmutung. Der ideale Weg besteht aus Auskämmen, gezieltem Entfernen trockener Halme und, wenn nötig, einer maßvollen Verjüngung. Wer den Spätwintertermin nutzt, scharfe Werkzeuge einsetzt und auf mageren, durchlässigen Boden achtet, erhält vitale Horste, die im Sommer mit luftigen Blüten und im Winter mit standfesten Strukturen überzeugen.