Haselnussstrauch vermehren: Methoden, Zeitpunkt, Fehler

Ein vorhandener Haselnussstrauch liefert das beste Ausgangsmaterial für neue Pflanzen. Wer die Eigenschaften einer guten Sorte erhalten will, kommt an ungeschlechtlichen Verfahren kaum vorbei. Die Aussaat funktioniert, hat aber ihre Tücken. Welche Methode wann gelingt und woran sie in der Praxis typischerweise scheitert, zeigt die folgende Übersicht.
| Methode | Häufiger Fehler | Lösung |
|---|---|---|
| Absenker | Trieb nicht angeritzt, zu früh getrennt | Rinde leicht verletzen, Spitze frei lassen, erst nach einer vollen Vegetationsperiode abtrennen |
| Ausläufer | Trieb ohne eigene Wurzeln abgestochen | Nur Triebe mit Faserwurzeln im Herbst oder zeitigen Frühjahr ausheben |
| Steckholz | Unverholzte oder austrocknende Triebe | Einjähriges, verholztes Holz von 10 bis 20 cm im Herbst, frostfrei und feucht halten |
| Aussaat | Trockene Lagerung, Fraß durch Nager | Frische, gesunde Nüsse säen, Fläche mit Gitter schützen |
| Veredelte Pflanze | Unterlagentriebe als Nachwuchs genutzt | Triebe unterhalb der Veredelungsstelle entfernen, nur Triebe darüber nutzen |
Wie sich ein Haselnussstrauch im Garten sicher vermehren lässt
Die Hasel ist ein Fremdbestäuber. Für Fruchtansatz braucht es mindestens zwei verschiedene Sorten in Nachbarschaft, und genau deshalb fallen Sämlinge uneinheitlich aus. Nüsse einer prächtigen Sorte ergeben nicht zwingend eine ebenso gute Pflanze. Ableger, Absenker und Abrisse halten die Sorteneigenschaften dagegen fest, wie auch Naturschutzverbände und Gartenratgeber übereinstimmend beschreiben. Das ist der Kern.
Absenker anlegen: Schritt für Schritt
Geeignet ist ein biegsamer, einjähriger Trieb nahe am Boden. Er wird zum Boden geführt, an der Berührungsstelle leicht angeritzt, mit einem Haken fixiert und mit Erde bedeckt. Das Anritzen hat einen Grund: Die verletzte Rinde regt die Wurzelbildung an. Zugleich bleibt die Triebspitze unbedingt frei, denn das Blattwerk liefert die Energie für den Wurzelaufbau, und Triebspitze frei lassen schützt damit den Erfolg.
Wurzeln entstehen nach einigen Monaten. Wer den Absenker dann sofort kappt, verliert ihn häufig im ersten Sommer, weil das Wurzelwerk noch zu klein ist. Sicherer ist eine Trennung nach einer vollen Vegetationsperiode, wenn kräftige Faserwurzeln ertastbar sind. Der Boden um die Stelle bleibt bis dahin gleichmäßig leicht feucht.
Ausläufer abstechen und Steckhölzer schneiden
Wurzelechte Sträucher treiben Ausläufer mit eigenen Wurzeln, die sich im Herbst abstechen und umsetzen lassen. Bei veredelten Pflanzen sieht es anders aus: Auf der verbreiteten Unterlage der Baumhasel (Corylus colurna) entstehen kaum Ausläufer. Triebe unterhalb der Veredelungsstelle gehören zur Unterlage und taugen nicht für den Sortenerhalt.
Steckhölzer stammen von einjährigen, verholzten Trieben, werden etwa 10 bis 20 Zentimeter lang geschnitten und unten schräg angeschnitten. Die Erfolgsquote bleibt bei der Hasel allerdings schwankend. Wer die Wahl hat, setzt daher lieber auf Absenker als Hauptweg und nutzt Steckhölzer als zusätzliche Chance.
Häufige Stolpersteine

- Fehlender Fremdpollen: Eine einzelne Sorte, auch in mehreren Exemplaren, bleibt ohne zweite Sorte in Reichweite ertragsarm, weil die Hasel auf Pollen anderer Pflanzen angewiesen ist.
- Zu hartes Abknicken des Absenkertriebs: Gebrochene Leitbahnen unterbrechen die Versorgung. Das Biegen gelingt besser über mehrere Tage in kleinen Schritten.
- Austrocknende Absenkerstelle: Ohne gleichmäßige Feuchte bilden sich keine Faserwurzeln. Trockene Sommerwochen sind der häufigste Grund für leere Absenker.
- Zu frühe Trennung: Kleine Wurzelballen versorgen die Krone nicht, besonders bei Hitze. Ein vorsichtiges Probegraben zeigt den Wurzelstand.
- Verwechslung von Unterlage und Sorte: Wildtriebe unterhalb der Veredelungsstelle wachsen zu einer anderen Pflanze heran und überwuchern oft die edle Sorte.
- Steckhölzer verkehrt herum gesteckt: Beim Schneiden geht die Wuchsrichtung leicht verloren. Ein schräger Schnitt unten und ein gerader oben markieren eindeutig.
- Nüsse mit Bohrloch gesät: Die Larven des Haselnussbohrers fressen den Kern. Solche Nüsse keimen nicht und gehören aussortiert.
- Falscher Standort der Jungpflanze: Ausläuferbildung und Wuchshöhe beanspruchen viel Raum. Nachbarpflanzen mit schwacher Konkurrenzkraft werden verdrängt, Jungpflanzen leiden zudem unter Wind.
Welcher Zeitpunkt passt zu welchem Verfahren?
Absenker lassen sich ganzjährig anlegen, der Herbst passt jedoch am besten, weil die Mutterpflanze nach der Ernte und dem Rückschnitt ohnehin zugänglich ist. Steckhölzer kommen ebenfalls im Herbst in den Boden. Gepflanzt wird die bewurzelte Nachzucht dann im folgenden Frühjahr, sobald keine Fröste mehr drohen. Spätfröste zerstören sonst die Blüte und mindern den Ertrag. Wer Jungpflanzen dagegen im Herbst vor dem ersten Frost setzt, nutzt die Restwärme des Bodens. Beide Termine funktionieren, aber nur bei gleichmäßiger Bodenfeuchte und Schutz vor Wind.
Nachzucht vom Haselnussstrauch aus Nüssen
Reife, gesunde Nüsse werden im Herbst etwa 5 Zentimeter tief in Erde gelegt und feucht gehalten. Die Keimung im Frühjahr verläuft unregelmäßig und langwierig, und bis zum ersten Ertrag vergehen mehrere Jahre. Zudem sammeln Eichhörnchen, Eichelhäher und Siebenschläfer Nüsse mit Begeisterung. Ein Schutzgitter gegen Nager gehört deshalb zur Aussaat.
Bewährte Praxistipps
- Mutterpflanze mit Bedacht wählen: Gesund, wüchsig und ertragreich sollte sie sein, denn alle Eigenschaften, auch Krankheitsanfälligkeit, werden vererbt.
- Mehrere Absenker gleichzeitig anlegen: Pro gewünschter Pflanze drei Triebe einplanen, damit Ausfälle nicht den Zeitplan sprengen.
- Flachen Stein statt nur Haken verwenden: Er beschwert den Trieb, hält die Bodenfeuchte und verhindert Frostaufhebung.
- Jeden Trieb beschriften: Sorte und Datum auf einem wetterfesten Etikett vermeiden Verwechslungen nach einem Jahr.
- Verpflanzen im Herbst vor dem ersten Frost: Der Boden ist dann noch warm, und die Pflanze wurzelt bis zum Austrieb an.
- Boden gezielt vorbereiten: Tiefgründig, humos, durchlässig und ohne Staunässe, mit einem pH-Wert um 5,5 bis 6, wie ihn der Erwerbsanbau empfiehlt.
- Mulchschicht auflegen: Sie bremst Verdunstung und Unkraut rund um den frischen Wurzelballen.
- Im ersten Jahr in Trockenzeiten gießen: Junge Wurzeln erschließen noch keine tieferen Bodenschichten.
Fazit
Absenker und Ausläufer erhalten die Sorte zuverlässig, Steckhölzer sind ein riskanter Zusatz, die Aussaat liefert uneinheitliche Pflanzen. Entscheidend sind frühe Pflege, Geduld bei der Trennung und der Schutz vor Austrocknung. Ein zweiter Strauch anderer Sorte sichert später den Fruchtansatz.
Quellen und offizielle Nachweise
- Haselnuss-Anbau für Neueinsteiger (Universität Kassel): Die Präsentation beschreibt wurzelechte und veredelte Haselnusspflanzen und deren Ausläuferverhalten.
- Entwicklungen beim Haselnussanbau in Deutschland (BMEL-Schalenobsttagung): Der Vortrag nennt Bodenansprüche, pH-Optimum und die Baumhasel als Unterlage.
- Die Gemeine Haselnuss (BUND Schleswig-Holstein): Das Merkblatt erwähnt die Vermehrung durch Ableger und Samen sowie die Bedeutung für die Tierwelt.
