Johanniskraut im Garten: Ist der Anbau verboten?
Im Sommer prahlt Johanniskraut mit goldgelben Blüten, die Sonnenstrahlen einfangen und Bienen wie magisch anziehen. Viele meinen, diese Heilpflanze wächst wie Unkraut am Wegesrand, dabei bringt sie Glanz und Leben in jeden Garten. Die Blüten, so strahlend wie kleine Sonnen, besitzen echte Superkräfte.
Ist Johanniskraut im Garten verboten?
Ein Gerücht hält sich hartnäckig: Viele glauben, Johanniskraut wäre im Garten verboten. Das stimmt nicht. In Deutschland darf jeder das leuchtende Kraut im Garten pflegen und bestaunen. Die Pflanze steht nicht auf der Liste der verbotenen oder invasiven Arten. Sie bereichert die heimische Natur, statt ihr zu schaden. In Australien, Japan, Korea oder Nordamerika sieht das anders aus. Dort gilt Johanniskraut als invasiver Neophyt, weil es sich aggressiv ausbreitet und heimische Pflanzen verdrängt. Deshalb ist es tatsächlich in einigen Ländern verboten, Johanniskraut im Garten anzubauen – in Deutschland aber bleibt das Kraut eine geschätzte Wild- und Heilpflanze.
Solche Missverständnisse entstehen oft, weil Medien davon berichten oder weil Menschen Johanniskraut mit problematischen Pflanzen verwechseln. Jakobskreuzkraut wächst etwa an ähnlichen Standorten, sieht auch ähnlich aus, ist aber giftig für Mensch und Tier. Die Goldrute breitet sich in vielen Regionen unerwünscht aus, bleibt aber für Menschen ungefährlich.

Johanniskraut sicher erkennen
Wer sich das leuchtende Kraut näher anschaut, entdeckt einige typische Merkmale. Die Blätter wirken zart und länglich, mit glatten Rändern. Gegen das Licht betrachtet, schimmern winzige, helle Pünktchen hindurch. Diese „Löcher“ sind Öldrüsen, in denen sich die wertvollen Inhaltsstoffe verstecken. Die Blüten bilden dichte Dolden, jede mit fünf Kronblättern, deren Spitzen mit dunklen Punkten übersät sind. Auch hier stecken Öldrüsen, die Hypericin enthalten, was das Johanniskraut so besonders macht.
Nicht alle gelben Blüten am Feldrand gehören zu Johanniskraut. Wer sich nicht sicher ist, sollte genau hinschauen. Viele verwechseln das Kraut schnell mit dem giftigen Jakobskreuzkraut oder der lockeren Kanadischen Goldrute. Jakobskreuzkraut trägt mehr Blütenblätter, die wie kleine gelbe Margeriten aussehen, und die Blätter wachsen gefiedert. Die Goldrute beeindruckt mit ihren rispigen Ähren und rauen, gezahnten Blättern. Ein Blick in ein Bestimmungsbuch, Fotos aus dem Internet oder ein Besuch im Gartencenter helfen, Unterschiede festzustellen.
Tipps für den Anbau im Garten
Im Ziergarten beeindrucken verschiedene Johanniskrautarten mit ihrer Blütenfülle. Das Gefleckte Johanniskraut oder das Berg-Johanniskraut wachsen zwar ebenso prächtig, dienen aber eher der Optik als der Gesundheit. Medizinische Effekte zeigen überwiegend die Blüten und Blätter des Echten Johanniskrauts. Trotzdem bringen die Zierformen Farbe in Rabatten und Beete und sind für Insekten wertvoll.
Die Pflege von Johanniskraut bereitet kaum Mühe. Die Pflanze liebt die Sonne, mag es warm und windgeschützt. Ein Platz mit viel Licht fördert die Blüte. Der Boden darf ruhig trocken und durchlässig sein, Staunässe verträgt Johanniskraut dagegen schlecht. Kalkhaltige Erden gefallen ihm besonders. An Bahndämmen, Waldrändern, Böschungen und mageren Wiesen fühlt sich das Kraut wohl. Im heimischen Garten sorgt regelmäßiges Schneiden für kräftigen, kompakten Wuchs und viele neue Blüten im nächsten Jahr.

Die Aussaat gelingt am besten im Frühling. Samen aus dem Fachhandel oder eigene von reifen Kapselfrüchten lassen sich leicht ausstreuen. Die Erde sollte locker und feinkrümelig sein, Temperaturen von 18 bis 22 Grad helfen beim Keimen. Wenig Gießen reicht, denn Johanniskraut nimmt Trockenperioden ohne Murren hin.
Kontrolle bewahrt vor dem Wildwuchs: Wer Johanniskraut im Zaum halten will, pflanzt es im Topf oder grenzt das Beet gut ab. Nach der Blüte bilden sich kleine Kapselfrüchte, die viele Samen tragen, und die Staude macht sich schnell an die Ausbreitung. Gärtner, die das nicht wollen, sollten die Blüte rechtzeitig zurückschneiden. So bleibt das Beet bunt, aber das Kraut erobert nicht das ganze Revier. Für Nutztiere wie Schafe, Ziegen oder Pferde ist Vorsicht geboten. Fressen sie zu viel Johanniskraut, reagieren sie empfindlich auf Sonnenlicht. Daher ist es ratsam, das Johanniskraut von Weiden fernzuhalten.
Verwendung von Johanniskraut
Echtes Johanniskraut dient seit Jahrhunderten als Heilpflanze. Die Kräfte stecken in den Blüten, Blättern und Stängeln. Das berühmte Hypericin färbt die Blüten beim Zerreiben rötlich. Dieser Stoff, zusammen mit Flavonoiden und Gerbstoffen, hilft bei leichten Depressionen, hebt die Stimmung, beruhigt Nerven und fördert ruhigen Schlaf. Auch bei Regelschmerzen, Magenproblemen und Blasenentzündungen schwören viele auf das Kraut.
Tee aus Johanniskraut lässt sich leicht selbst herstellen. Trocknen Sie dazu Blätter und Blüten an einem schattigen, luftigen Ort. Einen Teelöffel des getrockneten Krauts in eine Tasse, mit heißem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen – so entsteht ein sanft wirkender Kräutertee.

Johanniskrautöl ist ein weiteres Hausmittel. Legen Sie dafür frische Blüten in helles Pflanzenöl, etwa Olivenöl, und stellen Sie das verschlossene Glas vier bis sechs Wochen in die Sonne. In der Zeit färbt sich das Öl tiefrot. Das fertige Öl soll sich für Massagen bei Muskelverspannungen eignen, bei Zerrungen helfen und schmerzende Hautstellen beruhigen. Auch kleine Wunden, Prellungen oder Quetschungen sollen sich damit behandeln lassen. Außerdem soll das Öl antibakteriell wirken, so kann es vor Entzündungen schützen.
Einige nutzen Johanniskraut äußerlich, etwa als Umschlag bei Prellungen oder Verstauchungen. In der Volksmedizin hat sich das Kraut längst einen festen Platz erobert. Arzneimittel aus Johanniskraut gibt es in Apotheken, einige davon sind aber rezeptpflichtig. Wer Johanniskraut einnehmen möchte, sollte unbedingt Rücksprache mit medizinischen Fachpersonen halten. Die Inhaltsstoffe beeinflussen andere Medikamente, besonders solche zur Blutverdünnung, zur Verhütung oder gegen Depressionen.
Es ist aber etwas Vorsicht beim Johanniskraut geboten: Hypericin sorgt für Lichtempfindlichkeit. Wer Johanniskraut verwendet, schützt die Haut besser vor Sonnenlicht mit langer Kleidung und UV-Schutz.