Pflanzenwissen

Kürbis selber ziehen: Kann das giftig sein?

Kürbisse gibt es in vielen Formen, Farben und Größen – doch nicht jeder Kürbis ist essbar. Bei den Zierkürbissen ist den meisten Menschen klar, dass sie ungenießbar sind. Flaschenkürbis, Schwanenhals und die kleinen, bunten Varianten sind nur als Dekoration gedacht. Doch auch unsere Speisekürbisse wie Hokkaido oder Butternut können giftig sein – besonders wenn sie im eigenen Garten aus den falschen Samen gezogen sind.

Giftige Kürbisse erkennen

Ob ein Kürbis essbar ist, lässt sich äußerlich kaum bestimmen. Form, Farbe oder Größe geben keinen zuverlässigen Hinweis auf den Gehalt an Bitterstoffen. Einen nicht essbaren Zierkürbis ist leicht zu erkennen: In der Regel sind sie sehr hart und damit oft schwer zu schneiden. Zudem haben sie meist wenig Fruchtfleisch. Im Handel bekommen sie das Label „echter Zierkürbis“ – oder noch deutlicher: „nicht essbar“. Vergiftungen mit Zierkürbissen kommen deshalb praktisch nicht vor.

Gekaufte Speisekürbisse sind in den allermeisten Fällen harmlos. Die Anbauer kennen das Problem mit den Bitterstoffen. Sie minimieren das Risiko für bittere Kürbisse, indem sie auf zertifiziertes Saatgut setzen und die Pflanzen gut pflegen. Doch Kürbisse sind Naturprodukte, deshalb können manchmal auch in den gekauften Speisekürbissen Bitterstoffe enthalten sein.

Der sicherste Test ist eine kleine Geschmacksprobe. Ein kleines, rohes Stück Fruchtfleisch genügt: Schmeckt es bitter, ist der Kürbis zu entsorgen. Schon geringer bitterer Geschmack deutet auf das Vorhandensein von Cucurbitacine hin. Das Fruchtfleisch sollte immer roh probiert werden, da die Bitterstoffe nach dem Garen zwar nicht verschwinden, aber oft weniger deutlich schmecken.

kürbis schneiden
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Bitterstoffe: Darauf sollte man achten

Kürbisgewächse wie Kürbis, Zucchini und Gurke können sogenannte Cucurbitacine enthalten. Das sind Bitterstoffe, die die Pflanzen als chemische Selbstverteidigung gegen Fressfeinde nutzen. In der Urform des Kürbisses kommen die Cucurbitacine vor. Unsere Speisekürbisse haben aber eine lange Geschichte der Züchtung hinter sich. Die Bitterstoffe sind dabei gezielt herausgezüchtet.

Trotzdem können auch die vermeintlich unbedenklichen, sortenreine Kürbisse bitter sein. Das kann etwa durch spontane Mutationen des Erbguts passieren, die vollkommen natürlich vorkommen. Oder aber, weil die Gene für die Bitterstoffe nur unterdrückt sind und die Pflanze sie durch Umwelteinflüsse wieder aktiviert. Die Selbstverteidigung der Kürbisgewächse wirkt auch gegen den Fressfeind Mensch: Die Bitterstoffe lösen selbst bei recht kleinen Mengen schon typische Vergiftungsbeschwerden aus, wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall.

roter kürbis
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In schweren Fällen kommt es zur Dehydrierung und Kreislaufproblemen. Die Beschwerden setzen häufig schon kurz nach dem Essen ein und können mehrere Stunden anhalten. Es gab sogar vereinzelt Todesfälle nach dem Verzehr besonders bitterer Zucchini oder Kürbisse.

Wichtig: Die Bitterstoffe sind hitzestabil und zerfallen nicht beim Kochen oder Backen.

Kürbisse im Garten selber ziehen: Die wichtigsten Tipps

Der eigene Garten bietet die Chance, aromatische und gesunde Kürbisse selbst zu ernten. Doch die meisten Vergiftungen geschehen durch Kürbisse aus eigenem Anbau. Ein paar einfache Regeln können aber für Sicherheit auf dem Teller sorgen.

Nur geprüftes Saatgut verwenden

Bei zertifiziertem Saatgut aus dem Handel ist die Wahrscheinlichkeit für Bitterstoffe in Kürbissen, Zucchini und Gurken am geringsten. Der Hauptgrund für Vergiftungen mit Cucurbitacine ist selbst geerntete Samen. Bei Kürbisgewächsen kommt es häufig zu zufälligen Kreuzungen mit wilden oder Zierkürbissen. Bienen oder andere Insekten übertragen die Pollen von Pflanze zu Pflanze. Im Jahr der Aussaat ist das noch ungefährlich. Doch die Samen dieser Früchte sind nicht für die Aussaat im nächsten Jahr geeignet. Denn die Bitterstoff-Gene können dabei in den Nachwuchs gelangen. So entstehen Pflanzen, deren Früchte plötzlich wieder Cucurbitacine bilden.

saatgut
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Pflanzen vor Stress schützen

Gerade Sorten, bei denen die Bitterstoff-Gene nur gehemmt sind, können unter Stress wieder Bitterstoffe ausschütten. Kürbisgewächse reagieren empfindlich auf Trockenheit, Hitze oder Schädlingsbefall. Diese Umweltfaktoren fördern die Bildung von Bitterstoffen. Eine gleichmäßige Wasserversorgung, lockerer, humoser Boden und eine gute Nährstoffversorgung sorgen für kräftige Pflanzen. Bei Trockenphasen hilft regelmäßiges Gießen, am besten morgens oder abends direkt an der Wurzel. Mulchen schützen vor Verdunstung und hält den Boden länger feucht.

Außerdem benötigen Kürbisse viel Platz, Sonne und einen windgeschützten Standort. Bei zu dicht gepflanzten Kürbissen steigt das Risiko für Krankheiten und Stress. Die Pflanzen danken Ihnen den großzügigen Abstand mit kräftigem Wuchs und gesunden Früchten.

Da die Bitterstoffe ein natürliches Pflanzenschutzmittel gegen Fressfeinde sind, ist auch beim Schneiden von Kürbisgewächsen Vorsicht geboten. Für Pflanzen ist das Schneiden wie ein Angriff. Es kommt häufig vor, dass sie danach die Dosis an Giftstoffen erhöhen, um weitere Verletzungen zu verhindern.

Vorsicht bei selbst gezogenem Saatgut

Wer unbedingt Samen aus eigener Ernte verwenden möchte, sollte weibliche Blüten vor der zufälligen Bestäubung schützen. Dazu verschließen Sie die weibliche Blüte, noch bevor sie voll ausgebildet ist, mit einem Band oder Stofftuch. Die Bestäubung kann dann kontrolliert per Hand erfolgen: Mit einem sauberen Pinsel die Pollen aus der männlichen Blüte entnehmen, die weibliche Blüte öffnen, die Polle übertragen und die weibliche Blüte wieder zubinden. Auf diese Weise können Sie sicherstellen, dass die Samen sortenrein sind und so das Risiko für Bitterstoffe minimieren.